"Zwischen Märchenwald und Street Parade"
Zwei Orchester, eine Mission: Das nur alle fünf Jahre stattfindende Eidgenössische Musikfest in Biel mit dem Wettbewerb in der Kategorie Oberstufe steht am kommenden Wochenende an. Entsprechend verheissungsvoll war das Programm des Jahreskonzerts der Stadtmusik Dietikon, das mit den beiden Pflicht- und Selbstwahlstücken jeweils zwei Juwelen und eine Vielzahl weiterer Glanzstücke bereithielt.
Mit «Arnhem» (A. Kelly) marschierte sich die Stadtmusik Dietikon unter dem Dirigat von Julia Wyser gewissermassen musikalisch warm. Was folgte, war ein Marathon aus stilistischer und rhythmischer Vielfalt, versehen mit überraschenden Elementen und klanglicher Wucht.
Mit ihrem Pflichtstück «Metamorphosis» (T. Trachsel) bewiesen die rund 70 Dietiker Musikerinnen und Musiker ihre eigene Wandlungsfähigkeit zwischen subtiler Sanftheit und dramatischer Power. Doch auch Vogelzwitschern und Feenträume, Fantasien von majestätischen Fabelwesen oder mystischen Machtkämpfen gehören zu ihrem Repertoire.
In «The Last Forest Fairy» (R. Uhl), dem Selbstwahlstück, wechselten sie musikalisch überzeugend zwischen breiten Klangwelten und verspielt-raffinierten Details.
Von der Fantasie in die Metropolen
Jazz und Swing führten in «April in Paris» (V. Duke, arr. M. Peeters) und dem an New York erinnernden «Take the A-Train» (B. Strayhorn, arr. I. Torskangerpoll) zu einem Rhythmuswechsel. Vom Orchester getragen, präsentierten sich die Solisten Adrian Tonolla, Marcel Abrach und Ruedi Hafner bei diesem mondänen Ausflug als sichere Stadtführer.
Musicalfeeling in «The Greatest Show» (arr. Philipp Sparke), südamerikanisches Temperament in «Latin Pop Special» (arr. M. Myokin) oder epische Energie in «Flying to the Skies» (C. Walter) – mit diesen vielfältigen musikalischen Höhenflügen unterschiedlicher Couleur zeigte sich auch die Dirigentin sichtlich zufrieden. Bis zum Wettbewerb in Biel gehe es in den verbleibenden zwei Proben nur noch um einzelne Details.
Minutiöse Detailarbeit war auch bei der Steelband Swiss Jungle Drummers gefragt. Unter der Leitung von Roger Küng beeindruckten sie mit rasend schnellen Sticks („Double Fantasy“, R. Lobriser) und getrommelten Melodien des bekannten «Iko Iko» (J. Wellington).
Nicht minder bekannt dürften die verschiedenen geschmacklichen Richtungen von Cocktails sein, die der Musikverein Harmonie Schlieren in seinem Pflichtstück «Jazz Cocktail Suite» (M. Jeanbourquin) auf die Bühne zauberte: spicy, caliente, explosiv.
Musikalisch durch Zürich: Sechseläuten, Techno und Platzspitz-Drama
Ihre bewiesene Variabilität zwischen entspanntem Groove und schwungvoller Energie entlud sich vollends in «Züri», einer Eigenkomposition des Stimmung machenden Dirigenten Tobias Zwyer. Der musikalische Ritt durch Raum und Zeit führte leichtfüssig am Zürisee vorbei, hinein in die technolastige Street Parade und hin zum traditionellen Sechseläuten. Vor einem harmonischen Ende personifizierte Zwyer mit Mikrofon und Monolog überzeugend die dunklen 90er-Jahre am Platzspitz.
Doch lud der singende Dirigent auch das Publikum zum Mitmachen ein. Subzonic‘s «Titelgschicht» und Queen’s «Fat Bottomed Girls» sorgten für Partystimmung. Wer noch auf seinem Stuhl sass, stand spätestens beim traditionellen Sechseläuten-Marsch, der von beiden Orchestern – und damit deutlich über 100 Musikerinnen und Musikern – gemeinsam zum emotionalen Abschluss gespielt wurde.