Limmattaler Vereine nach dem Eidgenössischen Musikfest: «Es war ein grossartiges Erlebnis»
Das Eidgenössische Musikfest (EMF) in Biel war ein Anlass der Superlative: Über 500 Blasmusikvereine, knapp 25'000 Musizierende und mehr als 100'000 Besuchende strömten vom vergangenen Donnerstag bis am Sonntag in die zehntgrösste Stadt der Schweiz.
Der grösste Musikevent der Schweiz findet nur alle fünf Jahre statt. Die geplante Ausgabe 2021 konnte wegen der Pandemie nicht stattfinden. Das Organisationskomitee des verschobenen EMF in Interlaken teilte Ende 2024 mit, aus finanziellen Gründen auf die diesjährige Austragung zu verzichten. So sprang Biel kurzfristig ein.
Die Musikgesellschaften treten am «Eidgenössischen» jeweils in verschiedenen Kategorien und Stärkeklassen gegeneinander an. Fachjurys bewerten die Darbietungen anschliessend. Daneben finden zahlreiche Konzerte statt.
Auch mehrere Musikvereine aus dem Limmattal reisten letzte Woche ins Seeland, um am Grossanlass teilzunehmen. Namentlich waren dies die Stadtmusik Dietikon sowie die Harmonien Schlieren, Birmensdorf und Urdorf. Die vier Vereine waren insgesamt mit über 200 Personen am EMF vertreten. Die Limmattaler Zeitung hat bei den Präsidentinnen und Präsidenten nachgefragt, wie es ihrem Verein beim Wettbewerb erging und wie sie generell auf den Event zurückblicken.
Stadtmusik Dietikon
«Es war ein grossartiges Erlebnis», schwärmt Fabian Zwimpfer, Präsident der Stadtmusik Dietikon. Wie die Organisatoren den riesigen Anlass innerhalb kurzer Vorbereitungszeit auf die Beine stellten, habe ihn schwer beeindruckt.
Am Eidgenössischen Musikfest sei die Schweizer Blasmusik-Szene an einem Ort vereint. «Es ist wie ein grosses Dorf.» Die ausgelassene Festatmosphäre gepaart mit der Ambition des Wettbewerbs mache das EMF aus.
Die Stadtmusik Dietikon kombinierte die Teilnahme am «Eidgenössischen» mit einer viertägigen Vereinsreise in der Region Biel. Auf dem Programm stand etwa eine Schiffsfahrt auf der Aare von Solothurn nach Biel mit anschliessendem Brunch. Die 70 Mitglieder traten zudem an verschiedenen Orten auf.
Beim Wettbewerb in der 1. Klasse der Konzertmusik platzierte sich die Stadtmusik Dietikon im Mittelfeld. «Wir haben unsere bestmögliche Leistung gezeigt und sind sehr zufrieden.»
In besonderer Erinnerung behält Zwimpfer das gemeinsame Anstossen und die Ausgelassenheit nach dem absolvierten Auftritt. «Oder der Moment, als die Band im Festzelt «W. Nuss vo Bümpliz» anstimmte und 2000 Leute auf den Festbänken standen und mitsangen.»
Der einzige Wermutstropfen war laut Zwimpfer das durchzogene Wetter, «was einige Wettbewerbe und teilweise auch das Festerlebnis etwas getrübt hat».
Harmonie Schlieren
«Es war ein stimmiges Fest. Wir fühlten uns sehr willkommen in Biel», sagt Andrea Roth, Präsidentin der Harmonie Schlieren. Der Verein reiste mit 61 Personen ans EMF, wobei sich auch fünf Tambouren der Kreismusik Limmattal darunter befanden.
Trotz sehr kurzer Vorbereitungszeit des OKs sei das Musikfest gut organisiert gewesen, betont Roth. Dank der Übersichtlichkeit des Festgeländes habe man die verschiedenen Veranstaltungsorte problemlos zu Fuss erreichen können.
Am EMF schätze sie, dass man viele Gleichgesinnte treffe. «Man sieht viele Leute, die man schon lange kennt.» Der Wettkampf stehe nicht im Vordergrund, «vielmehr geht es um das Hobby, das alle verbindet». Die verschiedensten Regionen der Schweiz seien abgedeckt, sagt Roth, die in der Harmonie Schlieren Oboe spielt .
Beim Wettbewerb konnte der Schlieremer Verein überzeugen: In der Oberstufe der Unterhaltungsmusik klassierte er sich auf dem zweiten Rang. Beim Pflichtstück erreichte die Harmonie Schlieren sogar die höchste Punktzahl ihrer Stärkeklasse. Das Selbstwahlstück mit dem Namen «Züri» hatte Dirigent Tobias Zwyer komponiert. «Dieses führten wir mit grosser Freude und Begeisterung auf», sagt Roth.
Laut Roth fanden bereits in den frühen Morgenstunden viele Musikbegeisterte den Weg ins Kongresshaus, in dem die Harmonie Schlieren spielte. «Das war grossartig.»
Dass mehrere Vereine aus dem Limmattal am «Eidgenössischen» teilnahmen, freut Roth. «Ich schätze den Austausch mit den Vereinen aus der Region sehr.» Zu dieser Zusammenarbeit gehören auch gemeinsame Auftritte wie beim Jahreskonzert der Stadtmusik Dietikon Anfang Mai, als die Harmonie Schlieren ihre beiden Stücke für das EMF zum ersten Mal vor einem grösseren Publikum sowie einer Jury zum Besten gab.
Harmonie Birmensdorf
In Anbetracht der kurzfristigen Organisation sei es ein sehr gelungenes Fest gewesen, so Michael Gut, Präsident der Harmonie Birmensdorf. Kritik übt er einzig am mangelhaften Briefing vor dem Anlass: «Es war einiges unklar, da uns diverse Informationen fehlten. Vor Ort war es aber besser, als wir erwartet hatten.»
Gut faszinierte die vielfältigen Darbietungen der verschiedenen Musikvereine. Mit dem eigenen Auftritt in der 2. Klasse der Konzertmusik sei er sehr zufrieden, «obwohl wir nur auf dem drittletzten Platz landeten». «Wir konnten unsere bestmögliche Leistung abrufen – etwas, das uns beim Vorbereitungskonzert vor fünf Wochen nicht gelungen war.» Gut erachtet die musikalische Entwicklung seines Vereins als «sehr positiv».
Für die Harmonie Birmensdorf bedeutete die Teilnahme am EMF eine Rückkehr nach 20 Jahren Absenz. «Wir wollten wieder einmal ein solches Fest erleben, gerade auch mit unseren jüngeren Mitgliedern», sagt Gut. Die 49 Mitglieder hätten die Zeit in Biel und besonders auch während der Reisen genossen.
Um noch intensiver ins Fest einzutauchen, habe die Zeit gefehlt. «Die meiste Zeit waren wir mit Vorbereiten und Spielen beschäftigt.» Der von anderen Dorfvereinen organisierte Empfang in Birmensdorf sei dafür umso schöner gewesen.
Harmonie Urdorf
Auch Christine Schwab, Präsidentin der Harmonie Urdorf, hebt die gute Organisation des Fests hervor, die sie angesichts der kurzen Vorlaufzeit «wahnsinnig erstaunt» habe. Leider sei es etwas kalt und nass gewesen, was der guten Stimmung jedoch keinen Abbruch getan habe.
Sie staune immer wieder, wie viele Leute in der Schweiz Musik machen. «Man trifft zahlreiche bekannte Gesichter aus anderen Vereinen», sagt Schwab. Die Harmonie Urdorf reiste mit 45 Musikerinnen und Musikern nach Biel.
Der Anlass verbinde einen als Verein und fördere die Gemeinschaft. «Man verfolgt ein gemeinsames Ziel. Wie etwa im Sport trainieren auch wir Musiker dadurch mehr.» Infolgedessen werde die Tonqualität und das Zusammenspiel besser. Mit den Proben für das EMF begann die Harmonie Urdorf bereits vor mehr als einem Jahr.
Der Urdorfer Verein trat in der 2. Klasse der Konzertmusik an und klassierte sich gemäss Schwab im unteren Drittel. Trotzdem ist sie zufrieden. «Wir konnten die beste Version unseres Pflichtstücks zeigen, darauf sind wir stolz. Dass wir nicht zu den besten 2.-Klasse-Vereinen der Schweiz gehören, ist uns bewusst.
Zum Pflichtstück mit dem Namen «Endless Peace» sagt Schwab: «Wir waren lange auf der Suche nach diesem Frieden, aber am Schluss haben wir ihn gefunden.» Die Parademusik habe der Verein etwas vernachlässigt, «nächstes Mal werden wir wohl mehr Zeit darin investieren». Trotzdem reichte die Darbietung, um auf dem neunten von 18 Plätzen zu landen.
Die Harmonie Urdorf werde auch beim nächsten Eidgenössischen Musikfest, das 2031 im St. Galler Rheintal stattfindet, gerne wieder dabei sein. «Ob wir wieder in der Konzert- oder in der Unterhaltungsmusik antreten, ist noch offen.»